Mittwoch, 22. September 2010

Dienstag, 21. September 2010 [Košice, SK]

Wir mussten früher aufstehen, weil um 08:02 schon unser Zug fuhr. Ich packte den Rucksack, wir genossen das letzte b-a-i-H-Frühstück bei Miris Mutter und sie brachte uns mit dem Auto nach Střítež zum Bahnhof. Wir fuhren mit dem Schienenbus nach Česky Těšín und kauften dort das Billett nach Žilina (sprich: Schilina). Střítež ist eben nur eine kleine Haltestelle; zwar mit Billettschalter aber nur für nationale Billette. Und da sich Žilina bereits in der Slowakei befindet, mussten wir dieses Ticket also in Česky Těšín lösen. Wir wollten auch noch schnell zur Bank, die gleich auf der anderen Seite des Bahnhofs war. Um 08:25 standen wir vor der Bank und warteten auf die Öffnung um 08:30. Das Gittertor wollte sich aber nicht öffnen. Kurz nach 08:30 kam eine Frau aus einer Seitentür, in der Hand einen Zettel wo etwas von „technischen Problemen“ oder so draufstand und murmelte nicht wirklich verständlich, die Bank könne auf unbestimmte Zeit nicht geöffnet werde, da es drinnen brenne. Von Brand war jedoch weit und breit weder etwas zu riechen noch zu sehen- ihre Ruhe und ihr Tempo liessen nicht ohne weiteres auf Brand tippen und kamen wir uns etwas verschaukelt vor, konnten an der Tatsache aber nichts ändern, dass das Gittertor eben geschlossen blieb. Wir gingen dann zurück zum Bahnhof und aufs Geleise. Vom Perron konnte man auf die andere Seite und die Bank sehen. Wir waren nicht so naiv, auf ein Feuerwehrauto zu warten – und es kam (zumindest in den 20 Minuten die wir warteten) auch keines. Der Zug kam dann und wir stiegen ein – der Express 141 „Beskyd“ von Prag nach Žilina sollte uns bis zur Endstation mitnehmen. Und wir wurden (wie schon letztes Jahr) keine Freunde: In Česky Těšín hatte er eine Minute Verspätung, in Čadca (sprich: Tschadtza) nach der Grenze fünf Minuten und auf den letzten 30km bis Žilina wuchs die Verspätung auf satte 20 Minuten an. Genau wie vor einem Jahr. Und genau gleich: kurz nach Čadca kommt eine Linkskurve, in der ein verrosteter Beleuchtungsmast steht. Dort hielt der Zug an, blieb etwa 15 Minuten stehen, es kam ein Gegenzug und der „Beskyd“ (den ich in Zukunft eher „Scheiss-Beskyd“ nennen werde) fuhr weiter. Genau gleich wie vor einem Jahr. Mit dem gleichen Ergebnis. Nur: damals hatten wir die Billette bis Košice gelöst; heute wollten wir in Žilina bis Košice lösen. Wir hatten Glück, es reichte zeitlich und es hatte nicht viele Leute am Schalter in Žilina. Vom Idos wussten wir, dass der nächste Zug, der R 603 „Obchodni Zentrum Mirage“ einen Speisewagen hatte. Vielleicht fragt Ihr euch jetzt, was der bescheuerte Name des Zuges heisst. Das heisst „Einkaufszentrum Mirage“. Und „R“ bedeutet „Rychlik“- Schnellzug. Die Slowaken scheinen (am Vorbild von Allianz-Arena & Co.) eine Marktlücke gefunden zu haben, und die Namen ihrer Züge als Werbung zu verkaufen. Ein Wagen des Zuges, ist dann von aussen noch mit Werbung zugepflastert, damit man auch etwas vorbeifahren sieht. Es mutet irgendwie schräg an, ist aber sicher lukrativ. Schade ist der Beskyd ein Tschechischer Zug. Sonst könnte ich... Nein, lassen wir das! Zurück zum Zug: da wir wussten, dass er einen Speisewagen hat, schlug ich Miri vor, gleich im Speisewagen einzuchecken. Gesagt getan. Wir testeten den Speisewagen dann gründlich mit Essen und Trinken. Ausser der unfreundlichen Bedienung war es sehr gut und günstig. Etwa nach 1 ½ Stunden suchten wir uns dann „normale“ Plätze im Zug. Die Zugreise war sehr schön. Einzig etwas nachdenklich stimmten uns einige Zigeuner-Dörfer, die man vom Zug aus sehen konnte. Kurz nach Spišska Nová Ves (sprich: Spisch-ska Nova Ves) sahen wir zuerst einen kleinen Fluss mit einer riesen Müllhalde am Ufer und sahen im weiterfahren dann ein ganzes Dorf von halb zerfallenen Hütten im Morast, teilweise ohne Fenster, das Dach mit Plastik bedeckt; viele Leute „rumhängen“... Fast wie ein Ghetto... Ich hoffe, diese Leute wohnen dort freiwillig... Im weiteren Verlauf sahen wir dann noch ein paar solcher Dörfer... Es scheint in diesem Teil der Slowakei viele Zigeuner zu geben, die unter anderem in solchen Dörfern hausen. Das mutete uns schon etwas seltsam an ohne jetzt vorschnelle Schlüsse nach unserem Erlebnis in Česke Budějovice zu ziehen...
Um kurz nach 14 Uhr kamen wir dann in Košice an. Wir durchquerten mit unseren Rucksäcken die Stadt und gingen ins „K2“, einem Traveller Hostel ziemlich im Zentrum, das wir das letzte Mal vor einem Jahr rein zufällig fanden. Dort hatte es auch noch Zimmer frei, so dass wir unsere Rucksäcke parkieren konnten und in die Stadt gingen. Ich habe noch nicht erwähnt, dass das Wetter TRAUMHAFT war: keine Wolke am Himmel und einiges über 20°C. Wir montierten also die kurzen Ärmel und gingen durch die wunderschöne Stadt, in die Kathedrale, zum singenden Brunnen (der übrigens meiner Meinung nach Welten besser ist als in Marienbad) und dem kleinen Bächlein entlang der Hlavní. Wir schauten auch ab und zu in einen Laden rein und erlebten dabei das: Miri entdeckte in einem Schaufenster Kleider vom polnischen Wäsche-Label „Livia Corsetti“. Miri wollte schnell in den Laden reinschauen (es war ein Dessous-Laden) und wir traten ein. Der Laden war nicht gross und auch nicht sonderlich spektakulär- mehr war es die Verkäuferin und wahrscheinlich auch Besitzerin: die knallrot geschminkten Lippen wären noch gegangen aber dann ein durchsichtiges Oberteil, durch das man den BH sehen konnte – uns war nicht klar, ob es dabei um Animation oder um Demonstration ging. Miri vergass vor lauter Schock, die Frau komplett zu mustern- somit wissen wir nicht, was sie „unten“ anhatte. Vielleicht besser so... Und dann fanden wir noch einen Modelleisenbahn-Laden; leider war er schon geschlossen. Aber morgen werde ich dort vorbeischauen...

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