Dieses Mal schlief ich ohne Unterbruch durch. Miri stand früh auf und suchte die Frau vom Camping, fand diese, rechnete mit Ihr ab und organisierte uns ein Frühstück im Hotel (kostete zwar etwa 7 Franken pro Person aber war suuuuuuuper). Wir erkundigten uns, wann ein Bus fährt und erfuhren, dass in 40 Minuten oder dann zwei Stunden später. Weil wir das Warten auf den Bus leid waren, beschossen wir, schnell zusammenzupacken und den Bus um 10:10 zu erwischen. Das klappe dann auch und bald sassen wir mit vielen lustigen Menschen, u.a. einer Frau mit einem Korb voller riesiger Pilze im Bus zurück ins Zentrum von Karlovy Vary. Dann fuhren wir weiter mit dem Bus zum oberen Bahnhof und deponierten dort die Rucksäcke. Wir fuhren weiter mit dem Bus in eine Glasfabrik, die weltberühmte Glasfabrik Moser (mir war sie nachher dann auch bekannt – vorher nicht). Zuerst durften wir uns einer kroatischen Schulklasse anschliessen und die Produktion besichtigen. Dort sah man die Jungs das Glas in einem Ofen schmelzen, anschliessend aufblasen, kühlen, formen, schneiden ect. War sehr faszinierend. Hinterher schauten wir uns noch eine Dokumentation über die Firmengeschichte und deren Produkte an. Produkte die ihren festen Platz bei den Reichen und Schönen dieser Welt haben. Gleich daneben war dann noch der Fabrikladen, wo man die Erzeugnisse der Fabrik kaufen kann – jedoch in einem Preissegment, das sich nicht unbedingt mit dem meinigen deckt...
Nach der Glasfabrik fuhren wir mit dem Bus zurück in die Stadt und warteten auf Miri's Eltern, die wir treffen sollten um mit ihnen dann weiter zum Jaro, einem Freund aus Krefeld, den ich auch vom Fussball spielen dort kannte. Wir schlenderten durch die Stadt und beschlossen, etwas dem Fluss zu folgen. Die folgenden Eindrücke lassen sich nur schwer beschreiben... Zuerst kamen wir zu einer Kolonade. Meiner Auffassung nach ist eine Kolonade eine Säulenhalle- also ein Dach, das von Säulen gestützt ist und somit einen überdachten Gang gibt (so ähnlich, wie im alten Herblingermarkt dieses orange Ding, das den Migros mit dem Coop verband – nur natürlich nicht aus Plastik und etwa 10 Millionen mal schöner). In diesen Kolonaden befinden sich die Quellen- meistens kleine Brunnen aus Messing oder Bronze wo das mineralienreiche Wasser warm bis heiss in ein Becken läuft und man davon trinken kann. 15 oder 20 verschiedene Quellen gibt es – alle mit anderen Temperaturen und Zusammensetzungen. Auf eine Länge von etwa 1km erstrecken sich wunderschöne, bunt verzierte, verschnörkelte Gebäude und in der Mitte ein Fluss, eine Flaniermeile und eben solche Kolonaden. Eigentlich wunderschön- nur- man meint, man sei in Russland... Alles ist Russisch angeschrieben. Werbung, Plakate, Aushänge von Restaurants, alles Russisch. An Gebäuden hängen Plakate nur auf Russisch: „zu verkaufen“. Mega schräg!! Wir kamen mit einer Verkäuferin ins Gespräch (offensichtlich eine Tschechin) die in einem dieser hunderten von Souvenirläden Kram verkaufte und ich sagte zu Ihr, dass mir Karlovy Vary etwas scheint wir „Klein St. Petersburg“. Sie sagte: „Was, klein St. Petersburg?? Gross St. Peterburg. Nur Russen hier, und immer mehr!!“ Sie seufzte, ehe sie unmissverständlich ihrem Unmut über die Russen Luft machte. Speziell in der Kolonaden-Meile (wenn ich sie mal so nennen darf) sind die Leute, die mit so speziellen Krügen von Quelle zu Quelle pilgern, dort ihre Krüge auffüllen und durch einen langen Hals das was ausschlürfen. Das seien spezielle Spa-Krüge. Man muss sich das vorstellen wie eine kleine, schmale Blumenvase, mit einem Ausguss eines Teekrugs. Der Ausguss ist aber höher als die Blumenvase selber und dient somit wie ein Stohhalm zum trinken. Die Leute hängen dann dort in der Kolonade zum, füllen ihre Teekrug-Vasen auf und halten sie wie Tabak-Pfeiffen an den Mund und saugen daran. Das hat durchaus einen Sinn: gewisse Quellen sind über 60°C heiss und somit nicht direkt ab Brunnen trinkbar... Diese Teekrug-Vasen kann man natürlich dort vor Ort in diesen Souvenir-Läden zu hundert-tausenden kaufen, bedruckt, graviert, bemalt. So vielfältig wie die Leute, so vielfältig ihre Vasen.
Am späten Nachmittag kamen dann Miri's Eltern auch in Karlovy Vary an. Wir schlenderten ein Stück gemeinsam durch die Kolonade, ehe wir dann zu ihrem Auto gingen und weiter zum Bahnhof um unsere Rucksäcke abzuholen. Dann fuhren wir noch etwa 35km zu Jarek und Ida, die ein Ferienhaus im Erzgebirge, nur wenige Kilometer hinter der Grenze haben. Dort wurden wir herzlich empfangen, bekamen ein feines Nachtessen und schliefen dann dort auf der Couch (Bettsofa). Nach zwei Nächten im Zelt eine willkommene Abwechslung...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen