Samstag, 11. September 2010

Freitag, 10. September 2010 [Český Krumlov]

Wir waren am Morgen erleichtert, als wir feststellten, keinen nächtlichen „Besuch“ bekommen zu haben. Schnell standen wir auf, brachen das Zelt ab, packten zusammen und trugen unsere Rucksäcke zur Bushaltestelle. Wir reisten heute weiter nach Český Krumlov (sprich: Tscheskii Krumlof). Die Reise dauerte etwa eine Stunde (für 35km!!) und wir durchquerten einmal mehr ländlichste Gebiete, wo sich Fuchs und Hase bestenfalls „Gute Nacht“ sagen, vorausgesetzt sie sehen sich einmal. Das ganze in Diesel-Schienenbussen, wie sie vor etwa 30 Jahren auf der Hochrhein-Linie der DB (Waldshut- Schaffhausen- Singen am Hohentwiel) im Einsatz waren. In Český Krumlov war ein kleiner Bahnhof, der aber trotzdem ein Informations-Zentrum für Touristen hat. Während Miri sich dort ausgiebig informierte, probierte ich in der Wartehalle nebenan den Kaffeeautomaten aus. Bei umgerechnet etwa 60 Rappen für einen Kaffee durchaus ein bezahlbares Vergnügen. Wir trugen unsere Rucksäcke dann auf einen neuen Zeltplatz, den es erst seit diesem Jahr gibt. Dort angekommen sahen wir eine, schön an der Moldau gelegene Wiese mit einem Zelt und ein paar Container für Duschen und WC's. Miri sah sich kurz um, da kam schon ein Mann auf mich zu und fing an mit mir Tschechisch zu sprechen. Ich wunderte mich noch, dass ich ihn so gut verstehen konnte und als Miri zurückkam lüftete sich das Geheimis: Der Mann hiess Andy und kommt aus Kanada. Auf die Frage, wie er aus Kanada genau nach Tschechien und Český Krumlov kam, meinte er nur, das sei eine lange Geschichte und er wäre vor etwa 14 Jahren einmal als Tourist nach Europa gekommen und das Geld sei ihm ausgegangen. Und so sei er hängengeblieben. Wir stellten dann noch das Zelt auf und machten uns daran, die Stadt zu erkunden. Český Krumlov ist wunderschön!! Es hat ein riesiges Schloss, hoch über der Moldau gelegen und eine Altstadt mit malerischen Gässchen und Häusern. Dazwischen schlängelt sich die Moldau in einem „S“ durch die Stadt. Natürlich ist so ein schöner Ort ein ausgesprochener Touristen-Magnet aber im September ist die Hauptsaison vorbei und die Menschenströme sind übersichtlich. Hinter dem Schloss befindet sich der Schloss-Garten der in bester Schönbrunn-Manier daherkommt mit pedantisch geschnittenen Hecken, grossen Blumenbeeten und Brunnen. Dahinter hat es eine Freilichtbühne mit einer drehbaren Tribüne, wo dann Theaterstücke abwechselnd auf der Bühne und im dahinter liegenden Schlossgarten spielen. So ein Theaterstück zu sehen war uns nicht vergönnt, nur ein paar Artisten, die sich wohl auf ein Stück vorbereiteten und wüst fluchend, einen Joint rauchend unter der Tribüne sassen und Bier tranken. Wir kehrten dann ausserhalb des Schlosses in die Stadt zurück, tranken dort am Ufer der Moldau Kaffee und durchquerten dann noch das Städtchen ehe wir, als es schon zu dämmern begann auf unseren idyllischen Zeltplatz zurückkehrten.

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