Der Freitag stand im Zeichen von Verwandtenbesuchen. Am Morgen schliefen wir etwas länger, genossen dann das Besser-als-im-Hotel-Frühstück vom Miris Mutter und fuhren zu Miris Grossmutter. Dort waren wir dann bis etwa 17 Uhr. Anschliessend fuhren wir nach Třinec (sprich: Trschinetz) in die Stadt rein und gingen in den Prior. Prior ist eine original Tschechische Warenhauskette. Meist in einem, von aussen etwas kommunistisch und angestaubt wirkenden Betonklotz einquartiert, innen jedoch mit einem interessanten Sortiment, das sich vom Globalisierungs-Mainstream und den unzähligen Vietnamesen-Shops abhebt. Apropos Vietnamesen-Shops: Ich habe bisher noch nie darüber berichtet. Als ich 2004 zum ersten Mal nach Tschechien kam, war mir lediglich der „gelbe Markt“ in Prag bekannt. Das ist ein Markt im Stadtteil Holešovice (sprich: Holeschowitze), wo eigentlich nur Asiaten verkaufen- die übliche China-Ware: Plastik-Spielzeug, Elektronik, allerlei unnütze Dinge die in allen Farben leuchten, blinken und nervtötende Geräusche von sich geben, Klamotten und Schmuck. In den letzten Jahren (so habe ich den Eindruck) gibt es aber immer mehr kleine Läden in den Städten, ebenfalls geführt von Vietnamesen, die etwa diese Sparte von Waren verkaufen. Manchmal nur Kleider, oft aber „alles aus einer Hand“- alles, was ein Mensch im Alltag so brauchen kann- oder könnte. Erkennen tut man die Läden einerseits am Personal (einfach, nur auf die Augen schauen), am Geruch; einem penetranten billig-Plastik-Geruch, wo wie ein Mix aus PVC und Diesel (nicht so einfach, manchmal erfolgreich kaschiert), an der Beschriftung (IMMER: „Handtaschen“, meistens: „Schuhe“, falls Schuhe verkauft werden, oft: „guter Preis“, „gutes Sortiment“ ect.)(einfach), am riesigen Sortiment auf teilweise kleinsten Raum (nicht so einfach). Wir haben sogar einige Potraviny's (Quartierladen der das nötigste an Lebensmitteln verkauft) gesehen, die von Vietnamesen geführt werden. Damit verdrängen sie die Tschecheli mehr und mehr vom Markt. Bei Lebensmitteln ist es nicht so einfach- die können sie nicht gut aus China importieren und kämpfen daher mit etwa gleich langen Spiessen. Bei Kleidern, Accessoires und Haushaltartikeln jedoch haben sie fast ausschliesslich China-Ware im Angebot, die sie fast umsonst einkaufen und zu einem Tiefst-Preis verkaufen. Da können Europäische Produkte natürlich nicht mithalten und verschwinden mehr und mehr. Und dort wo früher ein Tschecheli war kommt dann ein Vietnamese. Für mich als Touri haben die Vietnamesen-Läden ziemlich bald den Nicht-schon-wieder-Effekt, weil sie wirklich immer etwa das gleiche verkaufen. Für Leute die aber radikal aufs Geld schauen, gibt es dort mehr fürs Geld. Und das ist die Kundschaft, die den Vietnamesen das Geld in den Laden trägt.
Zurück zum Prior: dort ist das eben anders. Das ist noch richtig Tschechisch „Old-School“. Meist haben die Kaufhäuser drei Etagen. In einer verkaufen sie Lebensmittel, in einer ist der eigentliche Prior und eine ist vermietete Fläche. Das sieht man noch oft im Osten: dort können sich dann Leute einmieten, ihre Ware aufstellen und verkaufen. Wie ein indoor Dauer-Markt sozusagen. In Russland und der Ukraine sieht man das oft. Sonst nicht so- ausser im Prior auf einer Etage. Im eigentlichen Prior verkaufen sie Haushaltsartikel, Schuhe, Klamotten, Elektroartikel, Geschenkartikel und Stoff. Das ist auch der Grund, warum Miri gerne in den Prior geht- wegen der riesigen Stoff- und Handarbeitsabteilung. In Třinec arbeitet nebenbei ihre Tante Eva „Evička“ in der Stoffabteilung. Das macht den Besucht doppelt interessant. Während Miri mit ihrer Tante plauderte, durchquerte ich den Prior und hielt Ausschau nach interessanten Dingen. Als ich zurückkam fragte mich Miri, welche Farbe des Stoffes ich kaufen würde. Nach einigen Diskussionen und Ratschläge von Eva kaufte Miri schliesslich 2.5m violett und 1.5m braun. Dazu noch irgendwelches Band, wo ich nicht weiss, wozu das gut ist. Schliesslich bezahlten wir und verliessen den Prior. Nächstes Ziel war ihre Schwester Silvia, bei der wir an diesem Abend zum Nachtessen eingeladen waren. Wir kamen um kurz nach 18 Uhr an und Silvia war gerade nicht da; sie sei nach Polen gefahren um an der Grenze einzukaufen, sagte William. Kurze Zeit später kam sie nach Hause und bereitete das Nachtessen zu. Wir nahmen das Nachtessen und redeten ausgiebig. Es wurde wieder einmal spät; es ging schon auf Mitternacht zu, als wir wieder bei Miris Eltern waren...
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