Aus unerfindlichen Gründen erwachte ich um etwa 03:30 und konnte nicht mehr schlafen. Kalt hatte ich nicht und auch die, zugegeben etwas ungewohnte Härte der Unterlage, war es wohl nicht. Vielleicht die Strasse oder die Bahnlinie, die gleich neben dem Campingplatz verliefen. Ich versuchte einige Tricks aber helfen wollte keiner so richtig. So döste ich dann etwa zwei Stunden, ehe ich wieder schlafen konnte. Als ich wieder erwachte war Miri schon wach. „Wie spät ist es?“, fragte ich sie. „Es ist Acht Uhr“, antwortete sie. „Ho, gut geschlafen“, dachte ich und sah die Sonne durchs Zelt scheinen. In der Nacht hatte es nämlich geregnet – das bekam ich während den zwei wachen Stunden deutlich mit und ich hatte mir schon ausgemalt, wie ich dann wohl das nasse Zelt zusammenpacken und dann irgendwo in einem Hotel- oder Pensionszimmer illegal zum trocknen aufhängen würde. Aber soweit kam es zum Glück ja gar nicht. Aus der Seitentasche von Miris Rucksack ragte verführerisch ein Farmer-Stengel. Da ich wusste, dass es noch mehr davon hat, krallte ich mir diesen und frühstückte gleich noch im Schlafsack. Dann duschten wir beide, packten zusammen und räumten das Zelt zusammen. Einzig der Boden des Zelts war ein bisschen dreckig, ausserdem bemerkte ich einen kleinen Schnitt darin. Aber nicht weiter schlimm...
Wir machten unser bereits bekanntes Prozedere – zum Bahnhof gehen und dort die Rucksäcke deponieren – und suchten und in der Stadt etwas zum Frühstück. Wir fanden eine super Bäckerei und kauften (nicht ganz Manser-kompatible) Gebäcke und assen die gleich auf der Strasse. Später tranken wir Kaffee in einem Geschenke-Laden, der noch eine Kaffee- und Sandwich-Theke hatte (das ist jetzt nicht sooo schräg, wie man sich das vielleicht vorstellt – Ihr hättet es eben sehen müssen...). Anschliessend gingen wir zum Schloss und genossen kurz den Ausblick auf die Elbe. Wir fotografierten den vermeintlichen Elbe-Moldau-Zusammenfluss und wunderten uns noch, dass die Moldau sehr klein sei, bis wir dann feststellten, dass dies gar nicht der echte Zusammenfluss ist, sondern nur ein kleiner Kanal und der Zusammenfluss hinter einer Bergkuppe versteckt war. Später liess ich dann dort in der Stadt noch einen Film express entwickeln, weil ich immer Probleme mit dem Fotoapparat hatte. Ich erhoffte mir davon zu erfahren, ob die Kamera wirklich funktionsuntauglich oder nur eingeschränkt funktionsfähig war. Doch so richtig fand ich das auch nach dem Entwickeln des Filmes nicht heraus- alles was ich wusste, dass nur etwa ein Drittel der Fotos brauchbar waren. Aber ein deutliches Fehlerbild ergab sich mir nicht... Ich fotografierte weiter... Wir beschlossen dann, am gleichen Tag noch nach Karlovy Vary (Karlsbad) zu fahren. Das war eine etwas längere Zugreise (so etwa 4 Stunden, knapp 200km). Darum mussten wir schon um 15:00 auf den Zug. Wir fuhren über Ústí nad Labem und Chomutov nach Karlovy Vary. Dort angekommen machten wir uns auf die Suche nach einem Zeltplatz. Respektive auf die Suche nach einem Bus zum Zeltplatz. Zuerst mussten wir einmal einen Bus finden in die Stadt, da der Bahnhof (der obere von beiden) ein bisschen oberhalb der Stadt liegt und es zu Fuss eine gute halbe Stunde ins Zentrum gewesen wäre. Nun offenbarte sich uns eine kolossale Schwäche vom Busnetz in Karlovy Vary. Es gibt zwar etwa 15 oder 20 Buslinien, die meisten fahren jedoch im ein- bis zwei-Stunden Takt. Und wenn man mit einer Linie im Zentrum ankommt, wartet man leicht über eine halbe Stunde auf den Anschluss. Wir hatten zwei Zeltplätze zur Auswahl, beide waren weit ausserhalb der Stadt – und wir hatten noch nichts gegessen. Miri bestand darauf, noch etwas zu essen – nur hatten wir zu wenig Zeit zu essen bevor der Bus fuhr und hatten aber umgekehrt keine Information ob es an einem der Zeltplätze ein Restaurant gibt. Wir diskutierten bis zwei Minuten bevor der Bus fuhr und nahmen schliesslich volles Risiko und den ersten Zeltplatz – nicht zuletzt der Tatsache Rechnung tragend, dass es dunkler und dunkler wurde und wir auf den Bus für den zweiten Zeltplatz noch weitere 20 Minuten hätten warten müssen. Wir fuhren dann mit dem Bus etwa 25 Minuten aus der Stadt hinaus in die Dämmerung und stiegen in der Wildnis, an einem Waldrand aus dem Bus aus, wo wir es gemäss Beschreibung hätten tun sollen. Von weit sah man ein beleuchtetes Gebäude und in der Dämmerung waren eine unbeleuchtete Strasse zu erkennen. Wir folgten dieser Strasse für etwa 400m und kamen in eine Feriensiedlung mit kleinen Häuschen und einem beleuchteten Hotel. Miri rief die Frau vom Campingplatz nochmals an und die sagte, wie wäre schon nach Hause gefahren aber wir sollten einfach irgendwo das Zelt aufstellen und sie würde dann am anderen Tag mit uns abrechnen. Es war schon fast dunkel, wir bauten das Zelt auf und suchten uns im Hotel etwas zu essen. Dort war eine sehr nette Frau, die uns sagte, wir könnten uns alles aussuchen von der Speisekarte. Wir füllten unsere leeren Bäuche und besetzten nebenbei mehrere Steckdosen um PC, Handies und Kamera aufzuladen. Anschliessend bezahlten wir, kehrten zu unserem Zelt zurück und wollten Zähne putzen gehen, fanden in der Dunkelheit das Toiletten-Gebäude nicht (es war gleich neben unserem Zelt, wie wir am anderen Tag dann herausfanden). Somit schlichen wir noch einmal ins Hotel und putzten uns dort auf der Toilette die Zähne. Um 23:00 krochen wir totmüde in unsere Schlafsäcke und lauschten dem Regen der fein aufs Zelt klopfte...
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