Mittwoch, 15. September 2010

Dienstag, 14. September 2010 [Brno]

Die Krönung des Hostels war, dass es sogar Frühstück gab. Zwar „Self-Service“ aber auf dem Tisch lagen Brötchen, in Säckchen abgepackt mit der Zimmernummer versehen. Als wir in die Veranda kamen waren Peto und Lek und eine etwas schräge Deutsche Familie bereits dort. Wir frühstückten dann und tauschten uns mit Peto und Lek über unsere weiteren Reisepläne aus. Später stiess dann noch das Tschechische Paar dazu, jetzt mit Nachwuchs, der am Abend zuvor bereits am Schlafen war. Nach dem Frühstück versabschiedeten wir uns von allen und gingen in die Stadt. Das Wetter war herrlich, es war zwar windig aber sonnig und warm. Zuerst besuchten wir die „Rotunda der heiligen Katerina“, ein runder Turm (ich vermute so eine Art Zitadelle) in der es alte Gemälde geben soll. Rein konnten wir nicht, es gab ein Schild auf dem stand, dass es in der Rotunda zur Zeit zu feucht sei uns sie deshalb fürs Publikum geschlossen sei. Naja. Ausserdem wollten sie umgerechnet 5 Fr. Eintritt pro Person, was wir, angesichts des kleinen Turmes dann doch recht viel fanden. Aber es stand ja eh nicht zur Diskussion- Feuchtigkeit eben. Wir gingen dann den ganzen morgen durch die Stadt, in die Kirche über dem Hostel und einer kleinen Kapelle davor, von deren Zinne man einen herrlichen Ausblick über das Tal und bis nach Österreich hatte. Da wir im Hostel ausgiebig gefrühstückt hatten waren wir nicht so schnell hungrig und beschlossen, zuerst nach Brno (Brünn) weiterzureisen und erst dort zu essen. Eine Entscheidung die zumindest unvorteilhaft, um nicht zu sagen falsch, war aber dazu später mehr. Wir holten unsere Rucksäcke im Hostel und suchten den Bushof. Wir wussten nicht, wo der Bushof war, da wir am Tag davor in der Stadt ausstiegen und der Bus nach Brno aber nicht durch die Stadt fuhr. Die Landkarte im Lonely Planet war irgendwie seltsam und so mussten wir uns am Ende doch durchfragen. Kurze Zeit nachdem wir dort waren fuhr schon ein Bus- die fahren unter der Woche am Tag im Halbstundentakt von Znojmo nach Brno. Wir fuhren etwas über eine Stunde für die etwa 60km und kamen in Brno beim zentralen Bushof an. Wir stiegen aus und wussten nicht so recht, wo wir hingehen sollen zum schlafen. Da wir noch nichts gegessen hatten (siehe oben) suchten wir uns zuerst ein Plätzchen zum Essen, um dort dann in aller Ruhe eine Bleibe zu finden. Wir assen zuerst, suchten dann. Leider wurden wir nicht wirklich fündig- alle unsere „Picks“ hatten geschlossen oder waren schon voll. Zudem war gerade Messe in Brno und da sind die Hotels sowieso gut belegt. Da es schon fast 18 Uhr war und die Informationsbüros, die sonst Unterkünfte vermitteln um 18 Uhr schliessen, entschieden wir uns für Plan B, den Campingplatz. Gegen den hatte sich Miri anfangs vehement gewehrt, weil er etwa 10km vom Zentrum entfernt, ausserhalb Brno an einem See lag. Miri rief dort an mit der Nummer aus dem Lonely Planet – keine Antwort. Da ich zuvor auf dem Internet auf der Seite eine Handynummer sah, diese aber natürlich nicht aufgeschrieben hatte, musste ich den PC nochmals auspacken und aufs Internet. Das funktionierte nicht und ich musste probieren und machen, bis es endlich ging. Ich fand die Nummer, Miri rief an und die Frau sagte, sie wäre bis 20 Uhr dort und wir sollten einfach kommen, der Bus fahre noch. Es war etwa 18:20, wir verliessen das Restaurant machten uns auf den Weg. Wir kamen zur Tramhaltestelle beim Bahnhof, gingen aufs Perron, wollten ein Billett lösen- Automat ausser Betrieb. Wir mussten in die Unterführung, einen anderen suchen währen wir wieder etwa zwei Trams verpassten. Schliesslich kamen wir zur Station „Zoologischer Garten“ wo unser Bus auf den Campingplatz fuhr. Miri fragte mich nach der Zeit, ich sagte „19:28“ und sie sagte „19:17 ist schon vorbei, also 21:17. Super, wir hatten den Bus um etwa zehn Minuten verpasst. Miri rief auf dem Campingplatz an und die nette Frau meinte, es sei kein Problem, sie würde noch nicht schlafen, wir sollten einfach anrufen, wenn wir kämen, sie würde uns dann das Tor öffnen. Wir machten uns nun dort am Stadtrand auf die Suche nach einer Unterkunft, fanden eine Infotafel und fanden dort einige Hotels, jedoch alle ausserhalb, 1-2km entfernt. Wir entschieden uns, da wir ja fast zwei Stunden Zeit hatten, zumindest die nahe gelegenen Hotels anzulaufen und zu schauen, ob es da was gibt. Es war bereits dunkel geworden und vollbepackt mit Rucksack und Zelt suchten wir das erste Hotel. Zu allem Elend fing es noch zu regnen an und als wir beim ersten Hotel ankamen, waren wir schon leicht nass. Miri schaute sich dort um und fand heraus, dass ein Standard-Zimmer umgerechnet etwa 200 Fr. Kosten würden und sagte, das zahle sie nicht. Wir gingen dann im stockdunkel ein Stück dem See entlang zur nächsten Bushaltestelle, fanden diese, hatten aber noch eine Stunde Zeit und gingen deshalb in einem nahen Restaurant etwas trinken um die Zeit zu überbrücken. Zur Zeit waren wir dann zurück an der Bushaltestelle und warteten auf den Bus. Dieser kam, erwartete dort aber wohl keine Passagiere (es war ausserhalb, keine Strassenbeleuchten, stockdunkel), wir leuchteten mit der Taschenlampe und fuchtelten wild mit den Armen. Als der Bus fast auf gleicher Höhe war, sah uns der Busfahrer, riss einen Stopp und liess uns einsteigen. Wir fuhren die gut 6km im Bus mit und stiegen an der Station „Obora“ wieder aus in die Dunkelheit. Zum Glück war der Eingang zum Zeltplatz wirklich unmittelbar neben der Bushaltestelle und wir atmeten auf. Hinter dem Eingangstor war links die Rezeption und dort sassen zwei Männer auf der Treppe und tranken Bier. Wir grüssten, gingen an ihnen vorbei und betraten die Rezeption. Die freundliche Frau vom Telefon war immernoch freundlich, jetzt aber mit einem sichtbaren Lächeln- ihre Augenlider waren komplett mit goldenem Glitzer geschminkt. Wir bezahlten und fragten noch nach Wolldecken. Sie wandte sich mit ansteckender Freundlichkeit an den einen Mann auf der Treppe und sagte: „Pepiiiiiiiiii, (irgendetwas auf Tschechisch, das ich jetzt nicht wortwörtlich widergeben kann), Prossim, Pepiiiiiiiiiiii“. Pepi war wohl der Name des Mannes, des Chefs des Campingplatzes, hatte eine heisere Stimme, diskutierte ein bisschen mit Ihr, konnte diesem Charme aber nicht wirklich widerstehen und tat, was sie sagte. Sie sprach diesen Pepi (übrigens eine Koseform vom „Josef“ in diversen Ländern, u.a. auch in Österreich) noch ein paarmal an, immer so Turbo-freundlich „Pepiiiiiiiiiiiiiii“. Während wir in der Rezeption standen und bezahlten, nahm ich bei ihr eine leichte Wein-Fahne wahr. Sie zeigte uns einen Plan und zeichnete uns darauf ein, wo wir unser Zelt aufstellen sollten. Wir suchten diese Wiese und fanden sie frisch gemäht, voll mit vermulchtem Gras. „Au weia“, dachte ich, „das gibt eine riesen Sauerei“. Wir stellten dann zum ersten Mal in totaler Dunkelheit (in Karlovy Vary war es noch nicht ganz dunkel) unser Zelt auf. Mit Taschenlampe im Mund wussten wir, warum die echten „Outdoor-Aktivisten“ immer eine Stirnlampe dabeihaben. Das Zelt stand am Ende so schlecht und recht und wir krochen hinein. Ich schaute am Internet noch die Chämpi-Resultate und wir planten den nächsten Tag und beschlossen, schon am nächsten Tag zu Miris Eltern zu fahren. Es begann zu regnen und ich kann eine gewisse Paranoia nicht leugnen. Etwas in mir wollte Wache halten aber die Müdigkeit war irgendwann stärker...

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