Sonntag, 3. Oktober 2010

Resümee

Es war eine lange aber wunderschöne und erlebnisreiche Reise. Das sind ja eigentlich genau die Gründe, warum man überhaupt eine solche Reise in dieser Art macht. Mit dem Gepäck waren wir mit 18kg (ich, inkl. Zelt) resp. 12kg (Miri) gut dabei, jedoch eher am oberen Limit als am unteren. Lange trägt man den Rucksack so nicht. Aber wir wollten ja auch nicht wandern gehen mit dem Rucksack. Auch das Zelt war ein voller Erfolg: ursprünglich hatten wir mal angedacht, etwa jede dritte Übernachtung im Zelt zu machen. Auf die ganze Reise gesehen, hielten wir das ein: von insgesamt 28 Übernachtungen waren 10 in einer Pension, 9 im Zelt und 9 privat. Wenn wir bedenken, dass wir das Zelt nur in Tschechien dabeihatten, sind es gar 9 von 14, also gut zwei Drittel. Somit hat es sich mehr als gelohnt, das Zelt mitzunehmen. Einen Nachteil hat das Zelten jedoch: man verliert relativ viel Zeit mit Zeltplatz suchen, Zelt aufbauen, Zelt abbauen. Vor allem im Ein-Tages-Reise-Rythmus bleibt nicht mehr viel Zeit, etwas zu besuchen oder anzuschauen. Wenn man die Reise richtig geniessen möchte, ist mit dem Zelt eigentlich nur der Zwei-Tages-Rythmus sinnvoll.
Als wir im Norden von Tschechien begannen, wunderten wir uns, warum im Lonely Planet fast nichts über den Norden geschrieben ist. Nachdem wir den Süden besuchten wussten wir warum: der Süden gibt um Längen mehr her als der Norden. Aber es war auch schön, den Norden besucht zu haben. Für die Slowakei hatten wir leider zu wenig Zeit. Aber das holen wir bei Gelegenheit nach.

Unsere 5 Tops:

Miri
1.Baden in Marianske Lazne
2.Shopping (generell)
3.Cesky Krumlov
4.Unterkunft in Znojmo
5.Gastfreundschaft in der Slowakei

Beni
1.Slowakische Gastfreundschaft
2.Beer Spa in Chodova Plana
3.Marianske Lazne (Stadt und Wellness)
4.Verkehrsgarten in Trebon
5.Baník Ostrava Match

Unsere 5 Flops:

Miri
1.Nacht in Brno (Stichwort: Pepiiiiiiiiii)
2.Frühstück in Telč
3.Mücken in Třebon
4.Unterkunft in Decin
5.Teilweise unfreundliche Leute in der Slowakei

Beni
1.Nächtlicher Besuch in Ceske Budejovice
2.Verlogene Rezeptionistinnen in Ceske Budejovice
3.Unterkunft in Decin
4.Zelt aufstellen im Regen und Dunkelheit (Brno)
5.Beskyd

Diese Top's und Flop's sind aber eher ein bisschen mit einem Augenzwinkern gemeint. Die Top's Liste liesse sich locker auf 50 Einträge erweitern, die Flop's Liste ist teilweise nicht so ernst gemeint. Alles in allem sind wir sehr zufrieden und ziehen eine positive Bilanz von einem Monat „Tschechien und Slowakei“. Beide Länder sind wirklich wunderschön in vielerlei Hinsicht. Es lohnt sich immer wieder, sie zu besuchen. Hoffentlich bis bald!!

Sonntag, 26. September 2010 [Thayngen, CH]

Der letzte Tag unserer Reise. Wir standen auf, frühstückten bei Marek, gingen in die Versammlung und waren anschliessend beim Luboš zum Zmittag eingeladen. William kam auch und Mariana, eine Freundin von Miri. Wir hatten nochmals einen schönen Nachmittag bei bester Slowakischer Gastfreundschaft und so gegen 15:30 nahmen wir die letzte Etappe unserer Reise in Angriff: Mariana (sie arbeitet in Wien in einem Krankenhaus als Krankenschwester) musste zur Arbeit fahren und nahm uns mit nach Wien. Sie brachte uns direkt zum Flughafen. Wir packten unsere Rucksäcke um und checkten ein. Miri war erleichtert, dass es langsam nach Hause ging. Sie hatte langsam genug vom Leben aus dem Rucksack. Ich freute mich auch nach Hause. Nach einer Stunde Flug kamen wir in Zürich an. Nach genau einem Monat Reisen waren wir wieder in der Schweiz. Ein seltsames Gefühl, die Leute wieder zu verstehen (für mich zumindest). Wir fuhren mit dem Zug nach Thayngen wo meine Mutter auf uns wartete. Als wir vor unserem Haus aus dem Auto ausstiegen war es fast wie ein Deja-Vu der Abreise... Es war Dunkel und am gleichen Ort wo wir bei Dunkelhein einen Monat zuvor ins Auto einstiegen, stiegen wir jetzt wieder aus- aber vollbeladen mit schönen Erinnerungen und Erlebnissen...

Samstag, 25. September 2010 [Modra, SK]

Wir standen um 08 Uhr auf. William wollte uns die Umgebung zeigen. Daraus wurde leider nichts- es regnete. Wir liessen uns aber nicht beirren und frühstückten etwas ausgiebiger und sprachen. Später trocknete das Wetter und William zeigte uns die Umgebung und Naherholungsgebiete der Wohnblocks von Bratislava-Petržalka. Um 11:20 fuhr uns William dann nach Bratislava zum Bahnhof und von dort aus nahmen wir den Zug nach Cífer (sprich Ziifer). Dort wartete Luboš auf uns. Wir fuhren zu Luboš und bekamen zuerst Zmittag. Dann fuhren wir zu einem Schloss in der Nähe, das aber seltsamerweise von Juli bis September für Touristen geschlossen ist. Die Zeit verging im Flug und wir gingen zu Marek zum Schlafen, weil Luboš gerade sein Haus umbaut und deshalb zur Zeit kein Gästezimmer hat. Bevor uns Luboš aber zu Marek brachte, spürten wir nochmals die volle Breitseite der Slowakischen Gastfreundschaft: wir wurden fürstlich verpflegt. Als wir dann zu Marek kamen, hatten die dasselbe vor mit uns- wir konnten aber nicht mehr...

Freitag, 24. September 2010 [Bratislava-Petržalka]

Wir standen früh auf, packten zusammen und gingen zum Bahnhof. Als wir im Park nahe des Bahnhofs die Obdachlosen auf den Bänken und in der Wiese schlafen sahen, hatten wir etwas seltsame Gefühle. Daneben schritten Studenten in Zweier und Viererreihen daran vorbei, als wäre es das normalste der Welt. Wir kauften am Bahnhof noch Frühstück und nahmen dann den Zug um 07:35 nach Bratislava. In Bratislava brachten wir schon fast routinemässig die Rucksäcke in die Gepäckaufbewahrung und gingen dann in die Stadt. Zuerst stiegen wir auf die Burg. Diese ist hoch über der Donau gelegen, ganz im Vorbild von Budapest oder Prag; nur kleiner. Im Innern der Burg dann die üblichen Touristen-Massen und eine riesige Baustelle. Es scheint, als würde die Burg total-renoviert. An der Südseite wird ausserdem angebaut und ein Park wird ebenfalls gebaut. Wir durchquerten die Burg und stiegen wieder ab in die Stadt. Wir schlenderten noch etwas durch die Stadt, assen eine Suppe und schon bald rief William an und wir holten unsere Rucksäcke am Bahnhof und warteten vor dem Bahnhof an der Strasse auf William. Wir mussten etwa eine halbe Stunde warten. In dieser Zeit konnten wir einen Mann beobachten, der garantiert versuchte zu klauen. Zuerst stand er hinter uns, aber da Miri und ich uns gegenüberstanden fühlte er sich beobachtet und ging wieder. Dann stand er dort an der Seite bei den Bushaltestellen und tat so, als würde er auf den Bus warten. Er hatte ein Hemd über die Schultern geworfen und sehr dunkle Haut. Ich erinnerte mich an České Budějovice zurück... Dann ging ein Junge an ihm vorbei. Der Mann ging vor ihm durch, drehte um und ging ganz nahe hinter dem Jungen wieder zurück; dabei versuchte er ihm in die Jackentasche zu greifen. Genial gemacht: falls der Junge etwas gemerkt hätte, hätte er sich in die falsche Richtung gedreht und der Dieb wäre ausserhalb seines Blickwinkels gewesen. Dann kam aber schon William mit seinem roten Honda CRX, stieg aus, begrüsste uns herzlich und verladete unsere Rucksäcke in sein Auto. Wir stiegen ein und fuhren in den Stadtteil Petržalka (Peterschalka) wo William wohnt. Petržalka ist das Arbeiterviertel von Bratislava. Es erinnerte mich stark an Moskau, reihenweise Plattenbauten. In einem dieser Plattenbauten lebt William, im zwölften Stock, zusammen mit seiner Frau und den Eltern seiner Frau, die jedoch dieses Wochenende ausgeflogen waren. Es war eine typische Ostblock-Plattenbauwohnung. Aber herzig eingerichtet. Wir deponierten unser Gepäck, erfrischten uns und dann fuhren wir zu Marek, einem Arbeitskollegen und Freund von William. Dort assen wir Znacht. Marek hat eine ganz herzige Familie. Am Abend fuhren wir zurück nach Petržalka und schliefen im Bett von William und seiner Frau, während William in einem kleinen Zimmer schlief... Top-Gastfreundschaft...

Donnerstag, 23. September 2010 [Trenčin, SK]

Zuerst wollte wir am Morgen noch das Spiš-Schloss besuchen, das etwa 15km von Levoča entfernt ist. Da es aber logistisch schwierig gewesen wäre, verzichteten wir darauf. Ausserdem drohte uns die Zeit auszugehen und wollten wir schon früh an unserer nächsten Etappe, Trenčin (sprich: Trentschin) sein um allenfalls noch am gleichen Tag nach Bratislava weiterzureisen. Die Bahn machte uns dann jedoch einen Strich durch die Rechnung. Aber schön alles der Reihe nach. Nachdem wir den Plan, das Spiš-Schloss zu besuchen, gespült hatten, suchten wir uns eine Zugverbindung nach Trenčin heraus. Es gab eine Variante über SpiNoVe, eine über Poprad. Wir entschieden uns über Poprad zu fahren, obwohl das Risiko mit dem Bus grösser war, da dieser aus Michalovce kam und somit theoretisch Verspätung haben könnte. Der Bus hatte von Michalovce her zwar keine Verspätung, fuhr auch pünktlich ab, war aber trotzdem zu spät in Poprad. Und bei einer fahrplanmässigen Umsteigezeit von neun Minuten, inkl. Billettkauf nota bene, lag da nicht mehr viel drin. Wir kamen in Poprad an, nahmen schnell unsere Rucksäcke und eilten in den Bahnhof. Es war 11:22, wir betraten die Bahnhofhalle, schauten auf die Anzeigetafel – 11:24 Rychlik (Schnellzug) nach Bratislava. Schock, zwei Minuten und noch kein Billett. Und dann war da noch eine Zahl: 20. Und als wir genauer hinsahen und die kleine Beschriftung darüber lasen, konnter wir erleichtert das Wort „Delay“ (Verspätung) lesen. Gott sei Dank, der Zug hatte von Košice kommend 20 Minuten Verspätung. Wir kauften gemütlich unsere Billette, zogen am Automaten in der Bahnhofshalle einen Kaffee und gingen gemütlich aufs Perron. Der Zug traf dann mit ziemlich genau 20 Minuten Verspätung ein und war gut besetzt. Wir fanden Platz und genossen unsere Reise. Nach etwa 2 Stunden, in Žilina, stellte ich fest, dass wir die Verspätung nicht aufgeholt sondern auf etwa 22 Minuten ausgebaut hatten. Also wäre unsere Ankunft nicht um 14:30 sondern etwa um 14:50 gewesen. Wäre. Bei Beluša, etwa 30km vor Trenčin hielt der Zug plötzlich an und stand still. Ich sah vor dem Fenster ein Holzlager mit einem Beleuchtungs-Kandelaber der etwa 30° schräg stand und machte ein Foto. Allmählich gingen die Passagiere raus aufs Geleise neben dem Zug, rauchten Zigaretten, setzten sich einfach hin, genossen die Sonne. Wir dachten, wie sie wohl reagieren würden, wenn der Zug plötzlich anfahren würde. Aber soweit kam es nicht. Nach einer knappen Stunde kam die Kondikteuse und sagte, der Zug sei defekt, es würde gleich auf dem Gleis daneben ein anderen Zug anhalten, wir sollten dort einsteigen. Und wirklich, kaum hatte sie das gesagt, fuhr auf dem Nebengleis ein Zug ein und hielt. Nun sah man eine ganze Ameisenstrasse von einem Zug in den anderen ziehen und diesen bevölkern. Der zweite Zug war nun pumpenvoll aber dafür fahrtüchtig. Wir fuhren los, hielten an jeder Station (so viele waren es nicht mehr bis Trenčin) und kamen um etwa 15:40, mit über einer Stunde Verspätung an. Wir beschlossen, in Trenčin zu bleiben, da die Zeit zu knapp war, Trenčin anzuschauen und noch nach Bratislava weiterzufahren. Zuerst suchten wir uns eine Logi, was mit dem Lonely Planet relativ einfach ging. Dann stiegen wir auf die Burg, die hoch über dem Städchen steht und darüber wacht. Die Burg kann man nur im Bundle mit einer Führung besuchen. Also lösten wir Tickets für eine kleine Führung, die 30 Minuten dauern sollte. Zuerst schauten wir uns den etwa 60m tiefen Ziehbrunnen an, spazierten etwas auf der Burg und genossen die wunderschöne Aussicht auf die Stadt, das Vah-Tal und das Fussballstadion, wo ich vor zwei Jahren mal an einem Fussballspiel war, während ich bei einem Kunden in der Nähe arbeitete. Um 17:15 gingen wir dann zum Treffpunkt für die Führungen und wurden von einer Frau abgeholt. Sie führte uns in den Turm, zeigte uns eine Ausstellung von diversen alten Waffen und erzählte etwas auf Slowakisch dazu. Miri übersetzte mir später das, was ich nicht verstand und dann durften wir noch den Turm besteigen. Ein absolutes Highlight: die Treppen zum Turm sind absichtlich sehr schmal und steil gebaut, um es einem Angreifer so schwer wie möglich zu machen, diesen einzunehmen. Es kam immer wieder eine schmale Treppe, dann wieder ein Raum. Die letzte Treppe war eine ganz enge Wendeltreppe und schliesslich konnte man durch eine Tür auf die Zinne, von der man auf alle Seiten Aussicht hatte. Nun war man hoch über der Stadt und sah auch die ganze Burg darunter. Atemberaubend. Vor allem waren Miri und ich alleine – somit hatten wir den Turm für uns. Interessant fand ich auch die Antennen, die unter dem Dach befestigt waren; vor allem die Laser-Links (Datenübertragung mit Laser) die auf zwei Seiten irgendwo in die Stadt rein zündeten waren interessant zu sehen. Wir stiegen dann wieder runter und bemerkten noch einmal die Enge dieser Treppen. Als wir die Burg verliessen war das Tor schon geschlossen – es war schon nach 18 Uhr. Wir suchten uns noch etwas zum Essen und gingen bald schlafen. Morgen müssen wir früh den Zug nach Bratislava nehmen, wenn wir noch etwas von der Stadt sehen wollen- am Nachmittag haben wir nämlich mit William abgemacht...

Mittwoch, 22. September 2010 [Spišska Nová Ves]

Angetrieben von Vorfreude und Hunger, gingen wir in die Stadt, nachdem wir unsere Rucksäcke zusammenpackten und im K2 deponierten. Zuerst frühstückten wir in einer Baguetterie (etwas, was man in der Slowakei noch oft sieht, obwohl sich wohl jeder ein bisschen etwas anderes darunter vorstellt); Miri hatte ein frisch gemachtes Thunfisch-Sandwich, ich eine Quark-Gebäck. Dazu Kaffee, Miri Wiener-Kaffee mit soviel Sahne, dass es einen ganzen Berg auf dem Becher hatte und er sogar auf der Seite herunterlief. Der Laden war ziemlich voll mit Locals – ein gutes Zeichen, wie sich bestätigte. Wir assen und beobachteten ein paar Frauen, die auf dem Platz Parfüm verticken wollten. Um etwa 10:30 zogen wir los zum Modelleisenbahn-Laden, der gestern geschlossen war. Es war ein wahres Eldorado: es hatte viel Modelleisenbahn, dazu Modellflieger, -autos und auch viel Zubehör. Ich hätte gerne die Deutsche Baureihe 215-Diesellok gekauft, die am Tag davor im Schaufenster stand. Leider war die nicht verkäuflich. Der Verkäufer war sehr freundlich und konnte sogar Englisch. Wir sprachen und er zeigte mir einige Dinge. Am Ende kaufte ich zwei Deutsche „Silberlinge“ und einen Tschechischen Personenwagen. Dazu ein kleines Modellauto, einen Škoda Favorit mit dem Aufdruck „Česka Pošta“, Tschechische Post. Den bekam ich sogar geschenkt. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht verliess ich den Laden und wir gingen zurück auf die Hlavna, den Hauptplatz. Dort setzten wir uns auf einer Bank bei einem Brunnen und genossen die Sonne. Košice ist eine super Stadt, immer wieder eine Reise wert. Die Leute sind auch speziell hier. Es gibt sehr viele junge Leute in der Stadt und die Leute sind generell sehr farbenfroh angezogen. Vielleicht fast wie das „Odessa“ der Slowakei... Um 12:30 gingen wir weiter Richtung K2, fanden aber weiter unten auf der Hlavna noch einen „Second Hand Shop“, bei dem Miri unbedingt vorbeischauen wollte. Ein absoluter Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte. Normalerweise schaue ich nicht gross Kleider an in solchen Läden. So auch dieses Mal- ich stand bei der Tür, wartete und mehr aus Langeweile glitt ich mit den Händen durch ein paar rote T-Shirts die in der unteren Reihe an der Stange hingen. Zuerst sah ich ein T-Shirt „TV Derendingen“. Ich schaute es mir an und lachte. In der Überzeugung sowieso nichts zu kaufen, schaute ich noch ein paar weitere T-Shirts durch und sah plötzlich ein paar T-Shirts weiter auf einem Kragen die Aufschrift „Premiere“. „Wie?“, dachte ich, zog mit einer Hand das Shirt, das eher ein Polo war raus und konnte mein Glück kaum fassen: ein Polo des Premiere TV-Teams. 7.99 Euro wollten sie dafür haben. Ich fand es zwar viel aber es musste sein. Miri war gar nicht erfreut darüber aber seit Budapest im letzten Jahr sollte sie wissen, dass es nicht gesund ist, mit mir in Second Hand Läden zu gehen. Die Geschichte dazu erzähle ich auf Anfrage gerne...
Miri kaufte dann in einer Bijouterie (bei uns würde man Accessoire-Laden sagen) noch eine Blume für ihr Kleid an Jeannines Hochzeit, dann kehrten wir ins K2 zurück, holten unsere Rucksäcke und fuhren mit dem Bus zum Bahnhof. Dort kauften wir Billette und fuhren nach Spišska Nová Ves (sprich: Spisch-ska Novaa Vess). In SpiNoVe suchten wir den Bushof und fuhren mit dem Bus weiter ins Städchen Levoča (sprich: Levotscha). Levoča liegt an keiner Bahnlinie, deswegen mussten wir mit dem Bus dorthin fahren. Nach etwa 20 Minuten waren wir da und suchten zuerst unsere Unterkunft, die Pension Oasa, die uns der Lonely Planet empfahl. Als wir dort klingelten öffnete uns eine sehr fröhlich wirkende Frau die Tür und führte uns gleich durch ihre Wohnung in einen Garten und dort in eine andere Tür und sagte, das sei unser Zimmer. Ein sehr schönes, grosses, helles Zimmer mit einer grossen Fensterfront, einem Tisch, einem Büchergestell voll mit Büchern (einige waren doppelt vorhanden) und einem Fernseher. Daneben ein kleines Badezimmer mit Dusche. Wir parkierten schnell unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg in die Stadt. Ich hatte bisschen mehr erwartet – ausser dem Hauptplatz mit einer Kirche und der, sich in teilweise recht schäbigem Zustand befindenden Stadtmauer, war da nicht viel... Dabei hatte ich es Miri Znojmo-ähnlich verkauft. Wir assen dann in einem Restaurant, das an die Strasse gestuhlt hatte in der Abendsonne Znacht. Richtige Slowakische Pirohy, etwas wie Pizoggel aus dem Bünderland. Fein fein... Als es langsam dunkel wurde (so um 18:45 so weit im Osten) kehrten wir in die Pension zurück, duschten uns, gingen aufs Internet oder lasen Wohn-Magazine. Die Namen dazu (wer was gemacht hat) könnt Ihr euch selber eintragen...

Mittwoch, 22. September 2010

Dienstag, 21. September 2010 [Košice, SK]

Wir mussten früher aufstehen, weil um 08:02 schon unser Zug fuhr. Ich packte den Rucksack, wir genossen das letzte b-a-i-H-Frühstück bei Miris Mutter und sie brachte uns mit dem Auto nach Střítež zum Bahnhof. Wir fuhren mit dem Schienenbus nach Česky Těšín und kauften dort das Billett nach Žilina (sprich: Schilina). Střítež ist eben nur eine kleine Haltestelle; zwar mit Billettschalter aber nur für nationale Billette. Und da sich Žilina bereits in der Slowakei befindet, mussten wir dieses Ticket also in Česky Těšín lösen. Wir wollten auch noch schnell zur Bank, die gleich auf der anderen Seite des Bahnhofs war. Um 08:25 standen wir vor der Bank und warteten auf die Öffnung um 08:30. Das Gittertor wollte sich aber nicht öffnen. Kurz nach 08:30 kam eine Frau aus einer Seitentür, in der Hand einen Zettel wo etwas von „technischen Problemen“ oder so draufstand und murmelte nicht wirklich verständlich, die Bank könne auf unbestimmte Zeit nicht geöffnet werde, da es drinnen brenne. Von Brand war jedoch weit und breit weder etwas zu riechen noch zu sehen- ihre Ruhe und ihr Tempo liessen nicht ohne weiteres auf Brand tippen und kamen wir uns etwas verschaukelt vor, konnten an der Tatsache aber nichts ändern, dass das Gittertor eben geschlossen blieb. Wir gingen dann zurück zum Bahnhof und aufs Geleise. Vom Perron konnte man auf die andere Seite und die Bank sehen. Wir waren nicht so naiv, auf ein Feuerwehrauto zu warten – und es kam (zumindest in den 20 Minuten die wir warteten) auch keines. Der Zug kam dann und wir stiegen ein – der Express 141 „Beskyd“ von Prag nach Žilina sollte uns bis zur Endstation mitnehmen. Und wir wurden (wie schon letztes Jahr) keine Freunde: In Česky Těšín hatte er eine Minute Verspätung, in Čadca (sprich: Tschadtza) nach der Grenze fünf Minuten und auf den letzten 30km bis Žilina wuchs die Verspätung auf satte 20 Minuten an. Genau wie vor einem Jahr. Und genau gleich: kurz nach Čadca kommt eine Linkskurve, in der ein verrosteter Beleuchtungsmast steht. Dort hielt der Zug an, blieb etwa 15 Minuten stehen, es kam ein Gegenzug und der „Beskyd“ (den ich in Zukunft eher „Scheiss-Beskyd“ nennen werde) fuhr weiter. Genau gleich wie vor einem Jahr. Mit dem gleichen Ergebnis. Nur: damals hatten wir die Billette bis Košice gelöst; heute wollten wir in Žilina bis Košice lösen. Wir hatten Glück, es reichte zeitlich und es hatte nicht viele Leute am Schalter in Žilina. Vom Idos wussten wir, dass der nächste Zug, der R 603 „Obchodni Zentrum Mirage“ einen Speisewagen hatte. Vielleicht fragt Ihr euch jetzt, was der bescheuerte Name des Zuges heisst. Das heisst „Einkaufszentrum Mirage“. Und „R“ bedeutet „Rychlik“- Schnellzug. Die Slowaken scheinen (am Vorbild von Allianz-Arena & Co.) eine Marktlücke gefunden zu haben, und die Namen ihrer Züge als Werbung zu verkaufen. Ein Wagen des Zuges, ist dann von aussen noch mit Werbung zugepflastert, damit man auch etwas vorbeifahren sieht. Es mutet irgendwie schräg an, ist aber sicher lukrativ. Schade ist der Beskyd ein Tschechischer Zug. Sonst könnte ich... Nein, lassen wir das! Zurück zum Zug: da wir wussten, dass er einen Speisewagen hat, schlug ich Miri vor, gleich im Speisewagen einzuchecken. Gesagt getan. Wir testeten den Speisewagen dann gründlich mit Essen und Trinken. Ausser der unfreundlichen Bedienung war es sehr gut und günstig. Etwa nach 1 ½ Stunden suchten wir uns dann „normale“ Plätze im Zug. Die Zugreise war sehr schön. Einzig etwas nachdenklich stimmten uns einige Zigeuner-Dörfer, die man vom Zug aus sehen konnte. Kurz nach Spišska Nová Ves (sprich: Spisch-ska Nova Ves) sahen wir zuerst einen kleinen Fluss mit einer riesen Müllhalde am Ufer und sahen im weiterfahren dann ein ganzes Dorf von halb zerfallenen Hütten im Morast, teilweise ohne Fenster, das Dach mit Plastik bedeckt; viele Leute „rumhängen“... Fast wie ein Ghetto... Ich hoffe, diese Leute wohnen dort freiwillig... Im weiteren Verlauf sahen wir dann noch ein paar solcher Dörfer... Es scheint in diesem Teil der Slowakei viele Zigeuner zu geben, die unter anderem in solchen Dörfern hausen. Das mutete uns schon etwas seltsam an ohne jetzt vorschnelle Schlüsse nach unserem Erlebnis in Česke Budějovice zu ziehen...
Um kurz nach 14 Uhr kamen wir dann in Košice an. Wir durchquerten mit unseren Rucksäcken die Stadt und gingen ins „K2“, einem Traveller Hostel ziemlich im Zentrum, das wir das letzte Mal vor einem Jahr rein zufällig fanden. Dort hatte es auch noch Zimmer frei, so dass wir unsere Rucksäcke parkieren konnten und in die Stadt gingen. Ich habe noch nicht erwähnt, dass das Wetter TRAUMHAFT war: keine Wolke am Himmel und einiges über 20°C. Wir montierten also die kurzen Ärmel und gingen durch die wunderschöne Stadt, in die Kathedrale, zum singenden Brunnen (der übrigens meiner Meinung nach Welten besser ist als in Marienbad) und dem kleinen Bächlein entlang der Hlavní. Wir schauten auch ab und zu in einen Laden rein und erlebten dabei das: Miri entdeckte in einem Schaufenster Kleider vom polnischen Wäsche-Label „Livia Corsetti“. Miri wollte schnell in den Laden reinschauen (es war ein Dessous-Laden) und wir traten ein. Der Laden war nicht gross und auch nicht sonderlich spektakulär- mehr war es die Verkäuferin und wahrscheinlich auch Besitzerin: die knallrot geschminkten Lippen wären noch gegangen aber dann ein durchsichtiges Oberteil, durch das man den BH sehen konnte – uns war nicht klar, ob es dabei um Animation oder um Demonstration ging. Miri vergass vor lauter Schock, die Frau komplett zu mustern- somit wissen wir nicht, was sie „unten“ anhatte. Vielleicht besser so... Und dann fanden wir noch einen Modelleisenbahn-Laden; leider war er schon geschlossen. Aber morgen werde ich dort vorbeischauen...