Sonntag, 3. Oktober 2010

Donnerstag, 23. September 2010 [Trenčin, SK]

Zuerst wollte wir am Morgen noch das Spiš-Schloss besuchen, das etwa 15km von Levoča entfernt ist. Da es aber logistisch schwierig gewesen wäre, verzichteten wir darauf. Ausserdem drohte uns die Zeit auszugehen und wollten wir schon früh an unserer nächsten Etappe, Trenčin (sprich: Trentschin) sein um allenfalls noch am gleichen Tag nach Bratislava weiterzureisen. Die Bahn machte uns dann jedoch einen Strich durch die Rechnung. Aber schön alles der Reihe nach. Nachdem wir den Plan, das Spiš-Schloss zu besuchen, gespült hatten, suchten wir uns eine Zugverbindung nach Trenčin heraus. Es gab eine Variante über SpiNoVe, eine über Poprad. Wir entschieden uns über Poprad zu fahren, obwohl das Risiko mit dem Bus grösser war, da dieser aus Michalovce kam und somit theoretisch Verspätung haben könnte. Der Bus hatte von Michalovce her zwar keine Verspätung, fuhr auch pünktlich ab, war aber trotzdem zu spät in Poprad. Und bei einer fahrplanmässigen Umsteigezeit von neun Minuten, inkl. Billettkauf nota bene, lag da nicht mehr viel drin. Wir kamen in Poprad an, nahmen schnell unsere Rucksäcke und eilten in den Bahnhof. Es war 11:22, wir betraten die Bahnhofhalle, schauten auf die Anzeigetafel – 11:24 Rychlik (Schnellzug) nach Bratislava. Schock, zwei Minuten und noch kein Billett. Und dann war da noch eine Zahl: 20. Und als wir genauer hinsahen und die kleine Beschriftung darüber lasen, konnter wir erleichtert das Wort „Delay“ (Verspätung) lesen. Gott sei Dank, der Zug hatte von Košice kommend 20 Minuten Verspätung. Wir kauften gemütlich unsere Billette, zogen am Automaten in der Bahnhofshalle einen Kaffee und gingen gemütlich aufs Perron. Der Zug traf dann mit ziemlich genau 20 Minuten Verspätung ein und war gut besetzt. Wir fanden Platz und genossen unsere Reise. Nach etwa 2 Stunden, in Žilina, stellte ich fest, dass wir die Verspätung nicht aufgeholt sondern auf etwa 22 Minuten ausgebaut hatten. Also wäre unsere Ankunft nicht um 14:30 sondern etwa um 14:50 gewesen. Wäre. Bei Beluša, etwa 30km vor Trenčin hielt der Zug plötzlich an und stand still. Ich sah vor dem Fenster ein Holzlager mit einem Beleuchtungs-Kandelaber der etwa 30° schräg stand und machte ein Foto. Allmählich gingen die Passagiere raus aufs Geleise neben dem Zug, rauchten Zigaretten, setzten sich einfach hin, genossen die Sonne. Wir dachten, wie sie wohl reagieren würden, wenn der Zug plötzlich anfahren würde. Aber soweit kam es nicht. Nach einer knappen Stunde kam die Kondikteuse und sagte, der Zug sei defekt, es würde gleich auf dem Gleis daneben ein anderen Zug anhalten, wir sollten dort einsteigen. Und wirklich, kaum hatte sie das gesagt, fuhr auf dem Nebengleis ein Zug ein und hielt. Nun sah man eine ganze Ameisenstrasse von einem Zug in den anderen ziehen und diesen bevölkern. Der zweite Zug war nun pumpenvoll aber dafür fahrtüchtig. Wir fuhren los, hielten an jeder Station (so viele waren es nicht mehr bis Trenčin) und kamen um etwa 15:40, mit über einer Stunde Verspätung an. Wir beschlossen, in Trenčin zu bleiben, da die Zeit zu knapp war, Trenčin anzuschauen und noch nach Bratislava weiterzufahren. Zuerst suchten wir uns eine Logi, was mit dem Lonely Planet relativ einfach ging. Dann stiegen wir auf die Burg, die hoch über dem Städchen steht und darüber wacht. Die Burg kann man nur im Bundle mit einer Führung besuchen. Also lösten wir Tickets für eine kleine Führung, die 30 Minuten dauern sollte. Zuerst schauten wir uns den etwa 60m tiefen Ziehbrunnen an, spazierten etwas auf der Burg und genossen die wunderschöne Aussicht auf die Stadt, das Vah-Tal und das Fussballstadion, wo ich vor zwei Jahren mal an einem Fussballspiel war, während ich bei einem Kunden in der Nähe arbeitete. Um 17:15 gingen wir dann zum Treffpunkt für die Führungen und wurden von einer Frau abgeholt. Sie führte uns in den Turm, zeigte uns eine Ausstellung von diversen alten Waffen und erzählte etwas auf Slowakisch dazu. Miri übersetzte mir später das, was ich nicht verstand und dann durften wir noch den Turm besteigen. Ein absolutes Highlight: die Treppen zum Turm sind absichtlich sehr schmal und steil gebaut, um es einem Angreifer so schwer wie möglich zu machen, diesen einzunehmen. Es kam immer wieder eine schmale Treppe, dann wieder ein Raum. Die letzte Treppe war eine ganz enge Wendeltreppe und schliesslich konnte man durch eine Tür auf die Zinne, von der man auf alle Seiten Aussicht hatte. Nun war man hoch über der Stadt und sah auch die ganze Burg darunter. Atemberaubend. Vor allem waren Miri und ich alleine – somit hatten wir den Turm für uns. Interessant fand ich auch die Antennen, die unter dem Dach befestigt waren; vor allem die Laser-Links (Datenübertragung mit Laser) die auf zwei Seiten irgendwo in die Stadt rein zündeten waren interessant zu sehen. Wir stiegen dann wieder runter und bemerkten noch einmal die Enge dieser Treppen. Als wir die Burg verliessen war das Tor schon geschlossen – es war schon nach 18 Uhr. Wir suchten uns noch etwas zum Essen und gingen bald schlafen. Morgen müssen wir früh den Zug nach Bratislava nehmen, wenn wir noch etwas von der Stadt sehen wollen- am Nachmittag haben wir nämlich mit William abgemacht...

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