Dienstag, 31. August 2010

Sonntag, 29. August 2010 [Děčin]

Es gibt Tage, die dürfte es eigentlich gar nicht geben. So einer ist auch dieser Sonntag. Unser Zeitplan war klar, wollten wir doch den Zug um 11:36 in Hannover erreichen. Somit startete unser Tag um 06:30 in der Jugendherberge in Zeven/Bademühlen. Wir packten unsere Rucksäcke, machten das Zimmer in Ordnung und gaben die Schlüssel ab. Dann fuhren wir zu Anneliese und Petra (wo wir Hilde und Bonnie aufladen mussten) und frühstückten dort. Um etwa 08:20 machten wir uns dann zu Viert auf den Weg nach Heiligenrode um dort bei Familie Gajdacz meine Eltern, Jemi und Josua aufzuladen. Leider fuhren wir in Stuhr nach der Autobahn-Ausfahrt falsch und mussten uns den richtigen Weg durchtelefonieren. Dabei verloren wir etwa eine Viertelstunde und waren (statt um 09:00) erst um 09:20 bei meinen Eltern. Schnell alles eingeladen und verstaut und weiter gefahren. Alles schien perfekt im Zeitplan – kurz vor Hannover jedoch Stau auf der Autobahn – 10km wie sich später herausstellen sollte. Die Uhr tickte gnadenlos runter und am Ende waren es noch 10 Minuten bis zur „Deadline“ ehe wir aus dem Stau kamen und die Abfahrt nehmen konnten. Wir fuhren in die Stadt rein, erreichten den Bahnhof um etwa 11:39, stiegen aus, in den Bahnhof rein, wo wir um 11:41 einsehen mussten, dass der Zug weg war.

Leider hatten wir ein Ticket, wo wir an diese Verbindung gebunden waren- dieses war damit faktisch ungültig geworden- trotzdem versuchten wir unser Glück am Schalter. Dort bot man uns an, uns von der Zugbindung freizukaufen. Das kostete dann €80 (die Differenz vom Sparpreis zum normalen Preis plus €15 für die Umtriebe). Damit „sparten“ wir doch etwa €45 zum Preis den wir bezahlt hätten, wenn wir direkt ein neues Ticket gelöst hätten.

Ich wollte dann am Billett-Automaten schauen, wann die beste Verbindung für uns wäre. Da sah ich, dass es einen Zug um 12:21 gäbe. Leider war schon 12:20. Ich sagte zu Miri: „Los, versuchen wir's“. Im Laufen sah ich irgendwo noch „Gleis 10“ angegeben, wir kamen die Treppe hoch, da rollte der Zug an und fuhr weg. Pech gehabt. Wir setzten uns dann in ein gemütliches Restaurant im Bahnhof, tranken Kaffee und warteten auf den nächsten Zug, den wir um 13:36 dann auch erreichten. Er fuhr pünktlich los, hatte jedoch am Ende in Leipzig 18 Minuten Verspätung. Das war weiter nicht schlimm, denn wir hatten trotzdem noch 10 Minuten zum Umsteigen. Der Anschlusszug hatte seinerseits schon 10 Minuten Verspätung die bis Dresden dann auf 11 Minuten anwuchs. Dort hatten wir wiederum eine Stunde Aufenthalt, kauften Billette und setzten uns in den Zug nach Tschechien. Der fuhr los, nach etwa 20 Minuten hielt er an und blieb stehen- etwa 40 Minuten. In der Zwischenzeit wurde es dann dunkel und als wir endlich den schönen Sandfelsen am Elbe-Ufer entlang fuhren, war es dunkel. Wir versuchten uns nicht zu ärgen und bereiteten uns geistig auf die Ankunft in Děčin (sprich: „Djetschin“) vor. Dort angekommen (in der Zwischenzeit war die Verspätung etwa 50 Minuten) suchten wir nach einer Logis. Im Lo-Plä hatte es ein Hotel, „Hotel Post“; aber aus welchem Grund auch immer, gingen wir nicht in dieses sondern bevorzugten es, selber zu suchen. Wir durchstreiften in der Dunkelheit ein paar Strassenzüge und fanden schliesslich die Aufschrift „Penzion“ auf einer Hausfassade. Die Türe war verschlossen, jedoch ein Zettel daran, man solle sich im Kiosk nebenan melden. Wir betraten den Kiosk und fragten, ob die Pension noch frei wäre. Ja das ist sie, CZK 600 würde es kosten pro Nacht. Wir schauten uns kurz an und erklärten uns einverstanden. Die Frau wollte das Geld haben (wie halt so üblich da...), schrieb Dinge aus Miris Pass in eine Liste. Dann gab sie ihr den Schlüssel oder besser gesagt ein ganzer Schlüsselbund, was mich leicht stutzig machte. Wir gingen dann wieder auf die Strasse, öffneten mit dem ersten Schlüssel die erste Türe, traten in einen schmalen, dunklen Gang ein, kamen durch eine noch schmalere Pendeltüre zu einer Treppe. Auf halber Höhe zwischen Erdgeschoss und 1. Stock versperrte eine Gittertüre den Weg, die der zweite Schlüssel (es war glaub der Violette oder der Rote, weiss nicht mehr) öffnete. Dann im 1. Stock eine Türe mit braunem Kunstleder besattelt, daneben ein Schild wo auf Deutsch stand: „Zimmer 1, 2“ was mich wieder etwas Mut schöpfen liess. Der dritte Schlüssel öffnete die Kunstleder-Tür und wir kamen in einen schmalen Gang mit wiederum zwei Türen. Der Vierte Schlüssel öffnete die Türe mit der Aufschrift „2“ und wir betraten unser Zimmer. Miri wäre wohl am liebsten wieder rückwärts herausgegangen, ich versuchte, die schockierenden Eindrücke mit ähnlichen Erlebnissen zu vergleichen um herauszufinden, ob ich wohl diese Nacht überleben werde oder nicht. Das Zimmer war etwa 20m2 gross, hellrot gestrichen und schmuddelig. Vorne beim Fenster standen zwei abgewetzte Polsterstühle, rechts im Raum ein Dritter, links ein abgewetztes Sofa im gleichen Look. An der Wand hingen Bilder von nackten Paaren in eindeutigen Posen. In einer Ecke stand noch eine Duschkabine, dahinter war, in einem separaten Raum, eine Toilette. Dazu roch es mufflig nach abgestandenem Rauch. Wir sahen uns an; Der Schock sass tief.

Wir fassten uns wieder, zogen uns die Jacken wieder an um noch schnell an die frische Luft und eine Kleinigkeit essen zu gehen. Wieder die gleiche Tür-Prozedur zurück in den schmalen Gang im Erdgeschoss, wo uns jetzt bei genauerem Betrachten weitere Bilder von nackten Frauen an den Wänden auffielen. Im weiteren war dort ein kleiner Schalter der jetzt nicht besetzt war mit der Preisliste, wo im oberen Drittel die Preise pro Tag, im unteren Drittel die stundenweisen Preise aufgelistet waren. Das erklärte einiges- unsere Pension wird unter anderem auch (oder vorwiegend??) als Stunden-Hotel vermietet. Das vorneweg: wir schliefen in unseren Schlafsäcken und nicht unter den Bettdecken.

Wir schlenderten durchs Städtchen und fanden ein paar Häuserecken weiter einen Italiener. Der Chef persönlich bediente uns, war sehr freundlich und sprach sogar Deutsch. Wir assen beide einen grossen Teller Salat. Anschliessend kehrten wir in unsere Pension zurück und gingen schlafen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen